Quer durch die Stadt: Urban Hiking in Mülheim
Authentizität – mit Ecken und Kanten in gewohnt rauer Herzlichkeit – das kann unser Ruhrgebiet. Die Idee vom Urban Hiking klingt spitze. Das probiere ich aus, dachte ich mir.
Läufst du noch oder wanderst du schon?
Authentizität – mit Ecken und Kanten in gewohnt rauer Herzlichkeit – das kann unser Ruhrgebiet. Die Idee vom Urban Hiking klingt spitze. Das probiere ich aus, dachte ich mir.
Ich, Katharina, bin RUHR.NAH-Redakteurin, und selbst ich schaffe ein paar Kilometer zu Fuß. Außerdem gefällt mir die Idee, die Stadt, in der ich schon rund 10 Jahre arbeite, noch einmal ganz neu zu entdecken.
Ich bin überzeugt davon, dass wir manchmal dem Irrtum unterliegen, das Schöne und Besondere, das wir direkt vor der Haustür haben, nicht zu bemerken und gar das Gefühl entwickeln, woanders sei es schöner.
Aber: Was für ein Quatsch! Ziemlicher sogar, vor allem wenn man sich die Vielfalt bei uns im Ruhrgebiet anguckt. Und einfach mal wieder mit offenen Augen durch die Stadt zu laufen, kann da nur von Vorteil sein.
Lange Rede, kurzer Sinn: Nichts wie los. Ich verabrede mich mit einem Freund. Der Urban.Trail in Mülheim führt an rund 25 Stationen vorbei, wenn man ihn ganz abläuft. Wir haben uns für eine Teilstrecke mit fünf Stationen entschieden:
Mülheimer Hauptbahnhof
Urban Street Art am Gleis 76
Eisenbahnbrücke am RS1
Alte Dreherei
Fossilienweg
Damit haben wir Industriekultur, Kunst, Natur und gute Aussichten. Auf dem Weg liegen immer wieder Cafés, Restaurants oder Kioske, wir müssen also nicht viel Proviant einpacken.
Daten & Fakten
„Urban.Trails – Streifzüge im Ruhrgebiet“ – das neue Projekt wurde von der Ruhr Tourismus GmbH entwickelt, zusammen mit dem Regionalverband Ruhr (RVR), dem Sauerländischen Gebirgsverein (SGV) und dem Tourismus NRW.
Worum geht's bei den Urban.Trails?
Diese Routen sind zwischen 7 und 15 Kilometern lang. Sie führen durch bisher touristisch wenig erschlossene Gebiete. Das Entdecken ruhrgebietstypischer Orte, der ehrlichen Atmosphäre und die Begegnungen mit Menschen stehen im Vordergrund.
Wir treffen uns direkt an unserer ersten Station, dem Hauptbahnhof. Mit insgesamt vier Gleisen ist er einer der kleinsten im Ruhrgebiet. Irgendwie niedlich. Wenn ich so mittendrin stehe, ist niedlich aber wirklich nicht das erste Wort, das mir in den Sinn kommt.
Ein Bahnhof hat ja immer etwas Spezielles: Im ersten Moment nur laut und unübersichtlich, bei bewusstem Hinsehen ein besonderer Ort des Übergangs. So viele unterschiedliche Menschen treffen hier aufeinander. Hier saugen wir also direkt ungefiltert authentische Ruhrgebiets-Atmosphäre auf.
Und wie ruhig es mir draußen auf der Straße vorkommt, als ich das Bahnhofsgebäude verlasse.
Als nächstes wollen wir zum Radschnellweg Ruhr. Auf dem Weg dorthin kommen wir am Gleis 76, unserer zweiten Station, vorbei. Das ist kein mysteriöses Gleis des Bahnhofs, sondern ein Club in der Nähe. Die Außenwand ist markant: Ein riesiger Affe blickt mich an, Urban Street Art at its best.
Wer hat ihn erschaffen? Kein Geringerer als der Mülheimer Künstler Hardy Bock, dem wir auch – gemeinsam mit dem kenianischen Künstler Adam Massava – das riesige Kunstwerk am ehemaligen Frauengefängnis zu verdanken haben. Für Gleis 76 hat er Gorillas, Schimpansen und Orang-Utans kreiert, die als Schaffner und Fahrgäste in einem imaginären Zug reisen.
Wir schlendern jetzt zum Radschnellweg Ruhr (RS1), der Fahrradautobahn, die auch hier direkt am Hauptbahnhof eine Auf- und Abfahrt hat.
An einer Stelle führt er über eine alte Eisenbahnbrücke direkt über der Ruhr. Von hier hat man eine tolle Aussicht auf den Fluss und den Stadthafen.
Unsere dritte Station also: die Eisenbahnbrücke am RS1. Ein richtig gutes Plätzchen für eine kleine Trinkpause mit einer mega Aussicht auf die Ruhr, die Ruhrpromenade und den Rathausturm.
Wir wandern zur vierten Station: zur Alten Dreherei. Hinter der Brücke kommen wir über eine Wendeltreppe in die MüGa. Auf dem kleinen Park-Spaziergang entdecken wir Schloß Broich, den Ringlokschuppen und die Camera Obscura.
Diese Stationen sind auch einen Besuch wert, aber die heben wir uns für nächstes Mal auf.
An unserem Ziel angekommen stehen wir vor einem Gebäude, das durch sein imposantes Erscheinungsbild direkt klar macht, dass es eine spannende Vergangenheit hat. Der industriekulturelle Charakter der Alten Dreherei ist sofort ersichtlich.
Das ist genau meins – und eine unserer Stärken im Ruhrgebiet: die Industriekultur. Diese besondere Mischung aus Bodenständigkeit, Geschichte, Industrie und Einzigartigkeit ist so charmant. Das zeigt sich auch hier mal wieder.
Vor rund 150 Jahren wurde das Gebäude gebaut, in dem damals Lokomotiven und Güterwagen gewartet wurden. Die Holzdachkonstruktion ist einzigartig in ganz Deutschland – und auch ziemlich instatauglich, wie man so schön sagt. Fotos lohnen sich hier sehr.
An der Alten Dreherei sind regelmäßig Events, z. B. „Wein Doch“ oder der Trödelmarkt. Die lassen sich natürlich mit einem Streifzug durch Mülheim verbinden.
Zum Fossilienweg, unserer fünften und für heute letzten Station, führt uns der Weg über den Schloßberg mit ein paar Conceptstores und einem gemütlichen Café. Ein richtig schöner Abschlussspaziergang für unsere Tour.
Der Fossilienweg, der als geologischer Lehrpfad Bodenschätze des Ruhrtals und unter anderem echt eindrucksvolle Wurzeln freigelegt hat, ist auch als Rad- und Spazierweg hier im Stadtteil Broich ziemlich beliebt.
Nachdem wir die riesigen Wurzeln bestaunt haben, toben wir uns auf der anderen Seite des Weges noch ganz erwachsen ein bisschen an den Spielgeräten aus, die hier unter anderem zum Hüpfen und Balancieren stehen.
Dafür, dass wir uns nur fünf Stationen rausgepickt haben, konnten wir eine schöne Vielfalt auf unserem Urban.Trail erleben. Die Wanderung hat uns richtig Spaß gemacht, halten wir fest, als wir uns sehr zufrieden in einem Café niederlassen, um den Tag gemütlich ausklingen und Revue passieren zu lassen:
Wenn wir die Hektik des Alltags beiseite legen, können wir unserer Umgebung viel mehr Raum geben und so zum Beispiel beim Mülheimer Urban.Trail die Einzigartigkeit der Natur und die Geschichte der Stadt mit allen Sinnen erleben. Wir haben gestaunt, wie viel Schönheit uns begegnet ist und können diese Erfahrung allen ans Herz legen.
Urban.Trail Mülheim
An diesen Stationen empfehlen wir dir einen Aufenthalt von mindestens 30 Minuten, um diesen Ort auskosten zu können.
Hauptbahnhof Mülheim an der Ruhr
Gleis 76 mit Urban Street Art
Eisenbahnbrücke / RS1
MüGa-Park
Innenhof Schloß Broich (Erlebnispfad und AR-App: „BJÖRN | Zeitreise Schloß Broich“)
Restaurant Ronja im Ringlokschuppen (vegan-vegetarisch)
Camera Obscura mit dem Museum zur Vorgeschichte des Films
Alte Dreherei
Immer auf Kiosk, Duisburger Straße
Schloßberg mit Conceptstores und Café
Fossilienweg
Restaurant FAIR1-HEiM
Saarn-Mendener Ruhrauen
Dorf Saarn mit Conceptstores, Restaurants und Nahversorgung
Kahlenbergwehr
FAIR1-HEiM in der Tomate
Bismarckturm (Lost Place, nur von außen zu besichtigen)
Aussichtspunkt Ruhrtalblick
Max-Planck-Institut
Catho-Wenzel-Park
Freilichtbühne
Altstadtfriedhof
Nachtkiosk
Altstadt mit Gastronomie
Wallviertel mit Gastronomie und Conceptstores
Kunstmuseum Mülheim an der Ruhr